Widerstand und Aneignung. Poesie und filmische Subkultur in der DDR 1976–1989

Vortrag mit Filmbeispielen von Claus Löser

3. Oktober 2018, 19 Uhr

Clubraum Rote Fabrik
Seestrasse 395, Zürich

 

Bild: Gino Hahnemann, Das Paradies vergesse ich nie (1982) // Courtesy Archiv “ex.oriente.lux”, Berlin

 

Die filmische Subkultur der DDR hob sich in ihrem Gestus deutlich vom staatssozialistischen Filmschaffen ab. Die Bilder des staatlichen Filmunternehmens DEFA boten den Filmemacher_innen kaum Identifikationsmöglichkeiten. Deshalb begaben sie sich mit provisorischen Mitteln auf die Suche nach Bildern, welche ihre Lebensumstände widerspiegelten. Und da es ohnehin müssig gewesen wäre, mit den zur Verfügung stehenden Schmalfilmkameras das “richtige Kino” nachzuahmen, versuchten sie es gar nicht erst.

Meist ohne Kenntnis der westlichen Filmavantgarde entstand so in der letzten Dekade des Kalten Krieges eine lebendige Szene, die mal lustvoll, mal selbstzerstörerisch ein offenes Terrain eroberte. Die Akteur_innen jener Zeit waren keine “Filmemacher_innen” im traditionellen Sinn, sondern eigneten sich die bewegten Bilder im Zuge eines umfassenden synästhetischen Prozesses beherzt an. Oft waren sie Musiker_innen, Maler_innen, Fotograf_innen, Poet_innen und Lebenskünstle_innen in Personalunion.

Verschiedenste Gesten der Selbstsuche und fragmentarische Einflüsse der Weltkunst verbanden sich zu einem seltenen Amalgam, in dem auch Poesie und Performance wichtige Bausteine bildeten. Die Filme erweisen sich heute als wichtige Zeugnisse von Widerstand und Aneignung.Der Vortrag zeigt Beispiele dieses kulturhistorischen Phänomens, erläutert politisch- ästhetische Hintergründe und gibt Einblicke in Biografien.

Claus Löser (geb. in 1962 in Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz) ist freier Filmkritiker, Filmemacher, Autor, Kurator sowie Lehrbeauftragter. 1995 schloss er sein Filmstudium in Potsdam-Babelsberg mit Diplom ab. 1996 gründete er das Filmarchiv “ex.oriente.lux”, das sich ostdeutschen Underground- und Experimentalfilmen widmet. Löser lebt und arbeitet in Berlin.

 

In Zusammenarbeit mit Konzeptbüro der Roten Fabrik
* Der Vortrag wird in Deutsch gehalten

 

Poetry & Performance. The Eastern European Perspective
16.09. – 28.10.2018

Öffnungszeiten
Di–Fr 14h–18h
Sa–So 12h–18h

Kurator_innenführungen:
14.10. 14:00 mit Tomáš Glanc
28.10. 16:00 mit Sabine Hänsgen, Tomáš Glanc und Māra Traumane

 

Die Ausstellung findet im Rahmen des vom Europäischen Forschungsrat finanzierten und von der Universität Zürich unterstützten Projekts “Performance-Art in Osteuropa (1950–1990): Geschichte und Theorie” statt.

Unterstützt von:
Stadt Zürich Kultur
Migros Kulturprozent
Dr. Georg und Josi Guggenheim-Stiftung
Academy of Arts, Architecture and Design in Prague

 

 

SHEDHALLE
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8038 Zürich
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