Teppich
2003, 99 Einzelteile, Ton ungebrannt, 200 x 200cm
Ein Ausschnitt, eine Ahnung, so könnte es unendlich weitergehen. Mit dem Wachstum nach allen Seiten. Jeder kleine Körper eine Persönlichkeit, ein im Wälzen und Drehen erhaschter, verfestigter Zustand, ausgelotet und erforscht. Die Lücke zwischen den Körpern ein Strom, Licht und da für die Wahrnehmung des anderen, fast Gleichen. Wogende Erde, jeder Körper einzeln, einzeln im Ganzen – Teppich – jeder Körper zählt.
Barabara Heé’s Teppich verkörpert eindringlich das in der Ausstellung Abundance verfolgte Prinzip “einer Differenz der Dinge, der keine Trennbarkeit zugrunde liegt” (Denise Ferreira da Silva). Materialien, Prozesse, Zeiten, Menschen, Konzepte und Technologien bringen ihre Unterschiedlichkeiten mit sich und gehen dabei vielfältige, kontingente und unvorhersehbare Beziehungen ein.
Barbara Heé ist eine Schweizer Künstlerin aus Zürich, die in den Bereichen Zeichnung, Malerei, Skulptur und Fotografie arbeitet. Ihre Ausbildung absolvierte sie zunächst als Textildesignerin in St. Gallen (1974–76) und Zürich (1976–80), bevor sie sich Malerei und Textilkunst zuwandte. Seit den 1980er-Jahren ist ihr Schaffen geprägt von einer spirituell-intuitiven und landschaftsbezogenen Praxis. Für Heé bedeutet Kunst weniger die Erschaffung von Form als vielmehr das Aufspüren und Entfalten von Geheimnissen.
Ihr künstlerischer Prozess ist körperlich verankert und zutiefst kontemplativ. Er umfasst Zeichnung, skulpturale Objekte, Malerei und in den letzten Jahren verstärkt auch Fotografie. Zentral für ihre skulpturale Sprache sind die „Wälzkörper“ – aus wiederholtem Kneten von Ton geformte Objekte, die manchmal in Bronze gegossen werden und die Spuren ihres Entstehungsprozesses sichtbar bewahren. Sie feiern so ihre verkörperte Herkunft.
1998 präsentierte Heé in der Kunsthalle Winterthur die monumentale Bodeninstallation Teppich – 101 Wälzkörper einzelne Tonelemente, die sich zu einer topografischen Struktur mit textiler Anmutung fügen.
Werke von Barbara Heé befinden sich in bedeutenden Sammlungen, darunter das Kunsthaus Zürich, der Kanton Zürich, das Musée des Beaux-Arts Lausanne, das Kunst(Zeug)Haus Rapperswil und die Albertina in Wien, ebenso wie in zahlreichen Privatsammlungen. An der Shedhalle war ihre Arbeit im Rahmen der Ausstellung Künstler aus Zürich 1985 zu sehen.