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Ursula Biemann

Devenir Universidad

(Universität werden), 2018 – 2023, Zweikanal-Videoinstallation 2021, 37 Min.

Ursula Biemann in Zusammenarbeit mit dem indigenen Volk der Inga in Kolumbien

 

Angesichts der dringenden Notwendigkeit, die Gesundheit und Biodiversität des Landes und das damit einhergehende Wissen zu erhalten, arbeitet Ursula Biemann seit mehreren Jahren mit dem Volk der Inga zusammen, um gemeinsam eine indigene Universität im Anden-Amazonasgebiet zu gründen.

 

Devenir Universidad ist ein künstlerisches Projekt im Auftrag des Museu de arte de la Universidad Nacional de Colombia, das den von den Inga geleiteten Prozess der Konzeption von Hochschulbildung in ihrem Gebiet anregen und dokumentieren soll. In dieser Pluriversität werden traditionelle und wissenschaftliche Wissenssysteme in einen Dialog gebracht, mit dem Ziel, den kulturellen Verlust und den epistemischen Schaden, der durch koloniale und extraktive Regime verursacht wurde, umzukehren. Das bikulturelle Projekt umfasst Forschung, Wissensproduktion und Bildungsprogramme, die verschiedene Arten des Wissens, Denkens und der Beziehung zu ihrem Territorium erforschen.

 

In diesen Videointerviews schlagen wichtige Persönlichkeiten aus der Inga-Gemeinschaft verschiedene Arten des Lernens vor, während der begleitende Soundtrack mit Aufnahmen, die von Mitgliedern der Gemeinschaft selbst gemacht wurden, ein akustisches und energetisches Feld im Ausstellungsraum erzeugt. Dieses vokale Territorium basiert auf unzähligen Gesprächen mit den Inga-Ältesten, den Schamanen und ihren Töchtern, Heilerinnen, Sabedores und sozialen Führern. Die Videografien sind Teil des audiovisuellen Archivs der zukünftigen indigenen Universität.

 

Ursula Biemann ist Künstlerin, Autorin und Videoessayistin. (Zurich, 1955)
Ihre Praxis ist forschungsorientiert und umfasst Feldarbeit in unterschiedlichen geografischen Räumen – von Grönland bis Amazonien –, wo sie den Klimawandel und die politischen Ökologien von Wäldern, Öl und Wasser untersucht. In ihren Videos, Büchern und Installationen untersucht sie die Dynamiken extraktiver Prozesse und schlägt zugleich alternative Formen ökologischer und epistemologischer Verbundenheit vor. Biemann hatte kürzlich Einzelausstellungen im MAMAC in Nizza, im MUAC, dem Museum für zeitgenössische Kunst in Mexiko-Stadt, und im MQ Freiraum in Wien. Sie veröffentlichte die Online-Monografie Becoming Earth über zwölf Jahre ihrer ökologischen Videoarbeiten und Texte sowie das Buch Forest Mind – Über die Verbundenheit allen Lebens bei Spector Books (2021).

Ursula Biemann ist seit den 1990er-Jahren mit der Shedhalle verbunden, wo sie als Geschäftsleiterin tätig war und Aussendienst (1995), Kültür (1996) sowie das globale Medienprojekt Just Watch (1997) kuratierte.

Shedhalle – Ursula Biemann

Inga Taita Paulino and Hernando Chindoy during field trip in 2019

Shedhalle – Ursula Biemann

Learning paths in Amazonia rainforest, 2021

Shedhalle – Ursula Biemann

Devenir Universidad, installation at Istanbul Biennial, 2022